IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Lärm bedeutete bei unseren Vorfahren "Gefahr!" und ist daher in unseren Genen als ALARM gespeichert.
Deshalb ist aus medizinischer Sicht eine Gewöhnung an Lärm nicht möglich."

Dr. Hans Göschke, Aerzte für Umweltschutz, Oberwil
Dr. Hans Göschke,  Aerzte für Umweltschutz, Oberwil

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Verein "IG Stiller" kämpft für Nachtruhe statt Glockenlärm  
7. Oktober 2004
Quelle: Wiler Nachrichten

Der Schlaf wird eingeläutet

 

Der neu gegründete Verein 'IG Stiller' macht sich in Wil und in der Region dafür stark, dass die Kirchenglocken von 22 bis 7 Uhr verstummen sollen. «Das viertelstündige Läuten mitten in der Nacht ist doch wirklich masslos übertrieben», ärgert sich der Wiler Initiant Hans Fuchs. «Wir hoffen, dass wir genügend Unterschriften sammeln können, um künftig wieder durch- oder auch mal ausschlafen zu können.»


«Wir glauben nicht, dass wir viele ältere Leute für dieses Vorhaben begeistern werden, da das Glockengeläute eine Tradition ist. Darum setzen wir auf die jüngere Generation. Mit vielen Unterschriften werden wir trotzdem etwas erreichen», erklärt Fuchs optimistisch.

Kirchenglocken spenden Trost
«Das ist für uns kein neues Thema», erklärt Pfarrerin Susanne Hug von der Evangelischen Kirchgemeinde Wil. «Es gab schon immer Menschen, die sich am nächtlichen Kirchenläuten stören, das ist ein Stück weit auch verständlich. Es gibt umgekehrt auch Leute, denen es sehr viel bedeutet. Für mich persönlich ist es darum auch ein Thema, über das man durchaus diskutieren kann. Die Regelungen sind ja von Gemeinde zu Gemeinde verschieden», erklärt die Pfarrerin weiter. Für sie gehört das Kirchenglockenläuten allerdings dazu. «Als ich einmal mal ein Stück weit von der Kirche weg gewohnt habe, vermisste ich das Geläute. Ich kenne beispielsweise auch eine ältere Dame, die ans Bett gebunden ist. Für sie ist es immer tröstlich, wenn sie die Kirchenglocken läuten hört.»

Nicht mehr zeitgemäss
Der Verein setzt sich in seinem Schreiben mit der Frage auseinander, ob das Kirchenglockengeläute in den Nacht- und Morgenstunden noch zeitgemäss sei. In der heutigen Zeit, wo Auto-, Flug- oder Hundelärm die Tageszeit prägten, sei ein sinnvoller Umgang mit den Kirchenglocken wünschenswert – um wenigstens die Nachtruhe wieder erhalten zu können. Die Gruppierung fordert, dass die Glocken von abends 22 bis morgens um 7 Uhr verstummen und somit zur uralten Tradition der Nachtruhe zurückgefunden werde. Dies sei die letzte Möglichkeit, um einen Ausgleich zum hektischen und immer lauter werdenden Alltag zu finden.

Viele Anhänger
Bisher konnten schon namhafte und viele Mitglieder mobilisiert werden. «Erst seit ich im Verein bin und mich für die Abschaffung dieser 'Ruhestörung' stark mache, habe ich erkannt, wie viele Leute es gibt, die sich auch nerven. Zum Glück habe ich einen tiefen Schlaf und werde nicht regelmässig von dem Geläute geweckt. Wenn ich jedoch noch wach bin und relaxen möchte, ärgere ich mich permanent über den unüberhörbar lauten Viertelstundentakt. Das ist doch unnötig!», erklärt Vereinsmitglied Nicole Nowak aus Wil. Sie setzt ihre Hoffnungen vor allem auf den gesunden Menschenverstand der Verantwortlichen, um dies zu ändern.

Spital Wil bestätigt
Eine Umfrage im Personalhaus des Spitals in Wil habe ergeben, dass sich ein erheblicher Teil der Bewohner gestört fühle. An Lärm könne man sich nicht gewöhnen, da er den gesamten menschlichen Organismus beeinträchtige. Tief- und Traumschlaf würden zerstört und die Kommunikation erschwert, sprich die Konzentration geschwächt.

Lauter als früher
«Lärm zehrt an den Nerven und macht schleichend krank», zitiert der Verein die Lärmkampagne des Verkehrsklubs der Schweiz. «Das Argument, dass das halt schon immer so war, ist irreführend. Früher wurde von Hand und leiser geläutet – heute ist der maschinelle Glockenschlag viel lauter geworden. Bis jetzt wurden Einsprachen nur belächelt und es wurde uns geraten, dass wir umziehen sollen. Ich frage mich allerdings wohin. Die Kirchen sind in kleinen Gemeinden so angesiedelt, das Geläute überall hörbar ist.»

Unnötige Zeitansage
Der Verein betont, dass in der Nacht nur absolut notwendige Geräusche wie zum Beispiel der Alarm der Feuerwehr oder von Krankenwagen erlaubt sein sollten. Ausserdem bräuchte es im neuen Jahrtausend keinen Zeitschlag mehr. «Wenn jemand wünscht, regelmässig an die Zeit erinnert zu werden, gibt es ja genügend technische Geräte wie Uhr, Wecker, Radio, TV, Handy oder Computer, um sich zu informieren», erklärt Fuchs weiter. Ein Schreiben an die katholischen- und reformierten Kirchgemeinden, Medien sowie diverse Forschungs-/Lärmorganisationen, Gesundheitsinstitutionen, Politik und Gerichte sollten das Anliegen der Initianten unterstützen.

Petra Walter

 
 
Realisierung: RightSight.ch