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"Die Glocken erinnern an das Dogma."

Saajid Zandolini (Künstler und spiritueller Lehrer)
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Verwaltungsgerichtsentscheid zum Fall Trogen  
8. Mai 2006
Quelle: Pressemittteilung IG Stiller

Mit Urteil vom 26. April 2006 hat das Verwaltungsgericht von Appenzell Ausserrhoden entschieden nicht auf die Beschwerde des Gemeinderates einzugehen. Den Beschwerdegegnern wird zulasten der Gemeinde Trogen eine Parteientschädigung von Fr. 2500 zugesprochen.

Kommentar

Nur wenige Monate nach einer juristischen Niederlage im Altersheimskandal steht die Gemeinde Trogen schon wieder vor einem publizistischen Scherbenhaufen.

Behördliches Mobbing

Die IG Stiller Trogen hat 1999 zum ersten Mal eine Untersuchung des nächtlichen Kirchenglockenlärms nach Umweltschutzgesetz verlangt. Passiert ist aber nichts dergleichen. Hingegen hat der Gemeinderat versucht die Sache so zu präsentieren, als ob es das Problem einer Einzelperson wäre.
So war in der ersten gemeinderätlichen Publikation (Appenzeller Zeitung vom 28. Juni 2000) von einer Person die Rede, obwohl der betreffende Brief von zwei Personen unterzeichnet worden war und obwohl sich diese zusammen an der Besprechung mit einer Delegation des Gemeinderates beteiligt hatten.

Genau gleich ging es weiter in der als es um die Diskussion der Petition „weniger wäre mehr“ ging, wurde in der gemeinderätlichen Publikation (App. Ztg 20.8.02) nur ein Name erwähnt, obwohl die Unterschriften von zwei Personen eingereicht worden waren.

Die Tatsache, dass dagegen der Name der Organisation (IG Stiller) und auch der Name der Petition („weniger wäre mehr“) verschwiegen wurde, weist weiter auf den tendenziösen Charakter dieser Publikation. Nicht zu vergessen ist in diesem Zusammenhang die anonyme (!) Glosse, welche in dieser Zeit im Speicherer Gemeindeblatt publiziert wurde und welche den Eindruck erwecken wollte, dass sich nur psychisch kranke Menschen am Lärm von Kuh- oder Kircheglocken stören. Wie sich später herausgestellt hat, verbirgt sich hinter dem Pseudonym Amalie Tunichtgut ein Appenzeller namens Eugen Auer, Anwalt aus Speicher und Mitglied der FDP.

Kultureller Kampf

Der Kampf gegen den Kirchenglockenlärm wurde politisch und kulturell weitergeführt. Speziell erwähnenswert die Verteilung der „Trogner Kultur-Zeitung“ im März 2002.
Es folgte der Vortrag “die Geschichte unserer Glocken“ in der Kirche, die Petition „weniger wäre mehr“, die Gründung der IG Stiller, das Ida Schläpfer gewidmete „Sonntagsausläuten einmal anders“, die Umfrage „Nachtruhe und Lärm“ und - in Zusammenarbeit mit verschiedenen KünstlerInnen – der „Glockenkult“. Unter diesem Titel wurden die „Glockenputzätä“ und die „Glockenmeditation“ in der Kirche Trogen durchgeführt.

Die Durchführung des „Geburtstagsläutens“ wurde dann von der Kirchenvorsteherschaft (Kivo) nicht mehr zugelassen und musste ebenso wie der „Abendsegen“ anderswo durchgeführt werden. Eine politisch-kulturelle Auseinandersetzung mit dem nächtlichen Glockenlärm war in Trogen nicht mehr erwünscht.

Juristischer Kampf

Die IG Stiller Trogen hat dann zuerst ohne Anwalt eine ausführliche zivilrechtliche Klage beim Kantonsgericht eingereicht. Diese basierte vor allem auf den Resultaten der Umfrage „Nachtruhe und Lärm“, welche bei der Auswertung der „nachts stark gestörten“ zeigte, dass Kirchenglocken ebenso störend sind wie der Strassenlärm.

Die Reaktion des Anwaltes des Gemeinderates war dann ein kleiner Schock. Begleitet von einer Kostennote von knapp Fr. 4'000.-- bestritt der Anwalt, die Zuständigkeit des Gerichtes. In der umfangreichen und für den Laien unverständlichen Begründung fand sich kein Hinweis darauf, dass diese Frage erst kürzlich vom Obergericht des Kantons Zürich behandelt und nicht im Sinne des Anwaltes des Gemeinderates entschieden wurde. Dafür wurde „empfohlen“ sie Sache auf dem verwaltungs­rechtlichen Weg anzugehen.

Die IG Stiller Trogen war überfordert und sah sich gezwungen eine Anwältin einzuschalten. Natürlich hat der Anwalt der Gemeinde dann auch versucht den verwaltungsrechtlichen Weg zu vermauern. Die Taktik des Gemeinderates wurde immer deutlicher: Die Kläger sollten eingeschüchtert werden und der Prozess sollte um jeden Preis verzögert werden. Der Gemeindepräsident hat in dieser Zeit in einem Fernsehinterview denn auch verlauten lassen, dass uns die Glockengeschichte noch lange beschäftigen würde. Nachdem am 1. Juni 2005 das Departement Bau und Umwelt den Rekurs der beiden Anwohner gutgeheissen hat und eine Prüfung nach Umweltschutzgesetz verlangt hat, zog der Gemeinderat den Prozess ans Verwaltungsgericht weiter.

Vermittlungsversuche Brunnschweiler

Nicht verschwiegen werden soll, dass der Vorsteher des Departements Bau und Umwelt sich im Laufe der Jahre zweimal anerboten hat, in der Sache zu vermitteln – ja er hat sogar schriftlich einen Kompromissvorschlag skizziert. Der Gemeinderat ist aber beide Male nicht auf diese Vermittlungsgebote eingetreten.
Es kann dem Amt in Herisau deshalb nicht verübelt werden, dass es in seinem auch dramaturgisch höchst interessanten Schreiben ans Verwaltungsgericht eine deutliche Sprache gewählt hat.

Mit stillen Grüssen
IG Stiller

 

 
 
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