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Viel Lärm um eine Glocke  
3. August 2007
Quelle: St. Galler Tagblatt (von Andreas Küng)

Das Geläute der Christkönigs-Kirche stört einige Anwohner – jetzt soll deren Klang schöner werden

Buechen-staad. Für Walter Bucher begeht die Kirche mit dem nächtlichen Läuten Rechtsbruch. «Ich schlafe schlecht» sagt er und schrieb der Kirchenverwaltung einen Brief. Diese beruft sich auf Tradition, für Bucher ist Tradition wandelbar.

Geläute der Christkönigskirche stört einige Anwohner

Walter Bucher, der rund 100 Meter östlich von der Christkönigskirche wohnt, ist nicht der einzige, der sich am Glockengeläut stört. Bucher hat in den Mietwohnungen in seiner Umgebung überdurchschnittlich viele Mieterwechsel festgestellt. Alex Dornbierer, der Vermieter der Wohnungen, weiss von Mietern zu berichten, die sich deswegen schon bei ihm gemeldet hätten.

«Gross», sagt Dornbierer, «ist das Problem aber nicht. Die Glocken gehören einfach dazu.» Er selbst, der ebenfalls in der Nähe wohnt, stört sich weniger am nächtlichen Stundenschlag als am samstäglichen Ausläuten. «Man hört die eigenen Worte nicht mehr, wenn die Glocken fünf Minuten lang läuten.» Am Samstag wird jeweils um 16, 17 und 19 Uhr ausgeläutet.

«Gesetzwidrig»
Walter Bucher reagiert am Telefon sehr sachlich: «Es gibt keine rationelle Erklärung, weshalb von 22 bis 7 Uhr viertelstündlich die Glocke geschlagen werden soll. Gemäss Lärmschutzverordnung ist <jeder vermeidbare Lärm zu unterlassen>.» Daran, sagt Bucher, hätte sich auch die Kirche zu halten.

Recht gibt ihm dabei, in einem Schreiben an die IG Stiller, auch der ehemalige St. Galler Bischof Ivo Führer:
«Von Seiten des Bistums besteht keine Verpflichtung, die Kirchenglocken morgens zu läuten. … Noch weniger besteht eine Vorschrift bezüglich des Zeitpunktes des Glockengeläutes.»
(6. Juli 1999, zitiert nach IG Stiller.)

Er selbst wache wegen des Glockenlärms mitten in der Nacht auf und müsse morgens deswegen jeweils «wie gerädert zur Arbeit». Das dürfe nicht sein, sagt Bucher, und wirft der Kirche vor, inkonsequent in der Rücksichtnahme auf Andersdenkende zu sein. In einem Leserbrief hat eine andere Anwohnerin, Barbara Oberhänsli derselben Instituition (der katholischen Kirchgemeinde Buechen-Staad) vorgeworfen, Werte wie «Toleranz und Nächstenliebe» zu predigen, «aber ganze Wohngebiete mit nutzlosem Lärm (zu) übersähen».

«Teil des kirchlichen Lebens»
Nach dem rechtlichen Exkurs und dem persönlichen Leidensbericht wird Walter Bucher deutlicher: «Es traut sich niemand zu reden. Zwar wird innerhalb der Kirchgemeinden mittlerweile darüber diskutiert, am Schluss nimmt aber die Gewohnheit überhand.» Diese Erfahrung machte auch Bucher, als er der katholischen Kirchgemeinde Buechen-Staad einen Brief schrieb. Deren Präsident, Bruno Sonderegger, nahm Stellung und berief sich einerseits darauf, dass Glocken «bei vielen Menschen das Gefühl von Heimat und Feierlichkeit» wecken und sie «ein Stück der öffentlichen Kultur» seien.

Andererseits versprach der Kirchenpräsident, «die technischen und baulichen Möglichkeiten einer Schallreduktion» zu prüfen. An der Kirchgemeindeversammlung vom April dieses Jahres wurden die Beschwerden dann diskutiert – allerdings waren die Kirchbürger gemäss Gemeindeblatt «einhellig der Ansicht, dass das bereits reduzierte <Läutprogramm> beibehalten werden soll, da es Teil des kulturellen und kirchlichen Lebens sei.»

Der Kompromiss: neuer Klöppel
An derselben Kirchbürgerversammlung wurde jedoch eine grössere Sanierung des Glockengeläuts bewilligt. Für rund 50 000 Franken soll unter anderem der harte Klöppel gegen einen weicheren ausgetauscht werden. Damit soll gemäss Bruno Sonderegger «der Klang weicher und harmonischer» sein und «somit auch als weniger störend empfunden werden.»

 
 
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