IG Stiller - www.nachtruhe.info
"...Das Bundesgericht betont die Notwendigkeit einer ungestörten Nachtruhe, weil tagsüber die Nervenkräfte des heutigen Menschen stark beansprucht werden.
Es weist darauf hin dass das Bimmeln von Kuhglocken zur Nachtzeit, d.h. vor allem dann, wenn der Strassenlärm abgenommen hat, besonders lästig ist..."

Bundesgericht, Lausanne
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Wie viel Glockengeläut darf's denn sein?  
27. März 2006
Quelle: NZZ (von kg)

Umfrage in Stadtzürcher Kirchgemeinde

Nachdem sich Anwohner wegen des Glockengeläuts beklagt haben, befragt die reformierte Kirchenpflege Balgrist ihre Mitglieder zum Thema. Auch die Landeskirche beschäftigt sich damit.

Der Kirchenglocken-Streit von Gossau hat es mittlerweile zu nationaler Bekanntheit gebracht, dank der Sendung «Kassensturz», die dem Thema letzte Woche einen Beitrag widmete. So weit wie in der Oberländer Gemeinde soll es anderswo nicht kommen: Die Mitglieder der evangelisch- reformierten Stadtzürcher Kirchgemeinde Balgrist haben dieser Tage einen Brief ihrer Kirchenpflege erhalten. Mit einer Umfrage will sie herausfinden, was die - reformierten - Quartierbewohner vom Läuten der Glocken halten.
Warum dürfen nicht ALLE Bewohner der Gemeinde Balgrist, egal welcher Glaubensrichtung, ihre Meinung zu den nächtlichen Weckschlägen kundtun?

Sie können ihre Meinung sowohl zum Glockengeläut generell als auch zum Stunden- und zum Viertelstundenschlag kundtun, und zwar in den drei Rubriken «angenehm», «stört nicht» oder «stört». Diejenigen, die sich gestört fühlen, dürfen präzisieren, wann genau das Geläut sie stört. Nicht gefragt sind Äusserungen zum Läuten vor und nach dem Gottesdienst. Dieses sei «fester Bestandteil unserer Kirchentradition» und werde bewusst nicht in die Umfrage einbezogen.

Nachts nur noch Stundenschlag
Laut Kirchenpflegepräsidentin Sylvia Stadler Langhart haben sich zwei Anwohner wegen des nächtlichen Glockenschlags beschwert. Sie habe sich nach Gesprächen mit den beiden entschieden, die Umfrage zu starten. Offenbar bewegt das Thema auch hier die Gemüter: Innert weniger Tage seien 250 Fragebogen zurückgeschickt worden - oft mit sehr emotionalen Kommentaren. Die benachbarte Kirchgemeinde Neumünster ist schon einen Schritt weiter. Nach Klagen von Anwohnern läuten dort zwischen 22 und 6 Uhr die Glocken nur noch im Stundentakt; Halb- und Viertelstundenschlag sind seit dem 1. Mai des letzten Jahres verstummt.

Nicolas Mori, Leiter des Kirchlichen Informationsdienstes, weiss nur von einer einzigen anderen Kirchgemeinde im Kanton, die zum Thema Glockengeläut eine Umfrage durchgeführt hat, nämlich von Greifensee. Die Befragung hatte Folgen: Seit September 2002 läuten die Kirchenglocken nachts zwischen 21 und 6 Uhr nicht mehr. Ob es in der Gemeinde Balgrist so weit kommt, ist allerdings fraglich. In den bis jetzt zurückgesandten Fragebögen werde des Öfteren gefordert, die Kirchgemeinde, die über das Läuten entscheidet, müsse hart bleiben, sagt die Präsidentin der Kirchenpflege.
Sehr gut ausgedrückt; wenn wir die viertelstündlichen Weckschläge während der gesetzlich vorgeschriebenen Nachtruhe beibehalten, dann ist das "hart" für alle Menschen die auf ihren tiefen und gesunden Schlaf bestehen!

Die evangelisch-reformierte Landeskirche rät den Kirchgemeinden zwar, das Gespräch zu suchen, fordert sie aber auf, nicht zu früh nachzugeben. Es sei nicht verwerflich, notfalls ein Gericht entscheiden zu lassen, schreibt sie in einer als «Handreichung für Kirchgemeinden» bezeichneten Broschüre. Sie weist darin auch auf technische Möglichkeiten hin, wie sich die Lautstärke des Glockenschlags verringern lässt - Möglichkeiten allerdings, die ins Geld gehen. So würden etwa Holz an Wänden und Decken des Glockenturms oder Verkleidungen aus Plexiglas unangenehm hohe Frequenzen absorbieren. Kostenpunkt: Zwischen 5000 und 35 000 Franken. «Erstaunliche klangliche Verbesserungen» seien oft schon dadurch zu erzielen, dass ein alter, abgenützter Klöppel durch einen neuen ersetzt werde.
Für die Kirchensteuern-zahlende Bevölkerung wäre es am günstigsten die viertelstündlichen Weckschläge einfach abzustellen.

Abstimmung über Dauer des Geläuts
Natürlich sind Kirchenglocken und ihr Geläut nicht nur ein Thema für die reformierte Kirche und auch nicht nur eines im Kanton Zürich. Im schwyzerischen Pfäffikon hat die Pfarrei nach Beschwerden von Anwohnern die Dauer des Sechs- Uhr-Läutens von drei Minuten auf eine Minute reduziert. Das war Anfang Februar, seither liefen die Liebhaber des frühmorgendlichen Geläuts Sturm. Mit Erfolg, wie die «March-Höfe-Zeitung» berichtet: Die Glocken ertönen wieder drei Minuten lang. Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen. An der Kirchgemeindeversammlung vom 24. April soll eine Konsultativabstimmung Aufschluss darüber geben, wie es die Pfäffiker künftig mit ihrem Geläut halten wollen.

 
 
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