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"...Die Ohrenärzte sind beunruhigt von der Zunahme der Gehörschäden:
Für die schädlichen Wirkungen des Lärms ist die persönliche Einstellung weitgehend belanglos. Auch wer den Lärm 'nicht hört', wem er seiner Ueberzeugung nach 'nichts ausmacht', der wird, wie sich aus Experimenten zeigt, ungünstig beeinflusst..."

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Winterthur sucht gesamtstädtische Lösung für Glockenstreit  
18. April 2011
Quelle: Winterthurer Stadtanzeiger (Von Christian Saggese)

Krach wegen Kirchenglocken-Lärm in Winterthur (Aus dem Winterthurer Stadtanzeiger)

«Die katholische Kirche Herz Jesu soll auf das Stunden- und Viertelstundenschlagen zwischen 22 und sieben Uhr verzichten.»

So lautet ein Antrag von Anwohnern der Eisweiherstrasse und Langgasse im Breitequartier. Die über 20 gesammelten Unterschriften wurden an den Stadtrat geschickt – vor zwei Jahren.

Anfangs habe die Stadt das Anliegen weitgehend ignoriert, vor einem halben Jahr jedoch Lärmmessungen versprochen. «Die konnten aber wegen des ‹falschen› Wetters angeblich nie durchgeführt werden. Nun kommt endlich Bewegung in die Sache», freut sich Mitinitiant Andreas Steiner. Die Stadt Winterthur hat Messungen in Auftrag gegeben, um sich einen Überblick über die Lärmbelastung durch Kirchenglocken zu verschaffen. Nicht nur bei der Kirche Herz Jesu, sondern auch bei St. Josef in Töss. Dort haben, unabhängig voneinander, ebenfalls Einwohner eine Lärmmessung verlangt.

«Der Stadtrat wird sich mit diesem Problem befassen, sobald die bereinigten Messresultate und der erläuternde Bericht vorliegen», sagt Fridolin Störi, Amtsleiter der Baupolizei. Dies sei voraussichtlich noch vor den Sommerferien der Fall. Wie emotional das Thema Kirchenglocken sei, habe Andreas Steiner bemerkt, als er sich das letzte Mal in den Medien dazu geäussert hatte. Er sei daraufhin verbal auf unterstem Niveau angegriffen worden. «Es geht aber nicht um religiöse Fragen, sondern um gesundheitliche Aspekte», sagt er.

Tradition oder Ruhestörung?

In der allgemeinen Polizeiverordnung der Stadt Winterthur sind Ruhezeiten zwischen 22 bis 6 Uhr vermerkt. Selbst Bauarbeiten dürfen erst um 7 Uhr beginnen. «Aber Kirchenglocken dürfen uns jede Stunde wecken?», fragt sich Andreas Steiner.
Zudem habe er selbst einmal die dortigen Lärmemissionen gemessen und sei auf rund 90 Dezibel gekommen. Für Kirchenglocken sind keine gesetzlichen Lärmgrenzwerte festgelegt, jedoch ginge gemäss Andreas Steiner die gängige Gerichtspraxis von einem Richtwert von 60 Dezibel aus.

«Die Nachruhe war vor der Kirche da», sagt Andreas Steiner, «selbst wenn man nicht erwacht, Lärm kann trotzdem zu Aufweckreaktionen führen.» Diese werden in der Regel von den Betroffenen nicht bemerkt, können aber zu extremer Tagesmüdigkeit und einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen. Eine oft gestellte Frage an Andreas Steiner sei, weshalb er nicht wegziehe. «Es ist ein schönes Quartier, und mal ehrlich, in welchem Schweizer Dorf steht keine Kirche?» Zudem könne nicht immer mit dem Wort Tradition argumentiert werden. «Das Leben ändert sich nun mal. Und die Glocken sind in der ganzen Schweiz ein Problem.»

Kirchenvertreter suchen Gespräch

Die reformierten und katholischen Kirchenvertreter selbst suchen seit Längerem das Gespräch mit der Stadt, «um gemeinsame Lösungswege zu finden», sagt Peter Allemann, Präsident der katholischen Kirche Winterthur. Bisher sei es dazu noch nicht gekommen. «Sie hatten vermutlich noch keine Zeit.» Am Ende sei es aber nun mal eine demokratische Entscheidung. «Doch wir hoffen, dass es zu einer gesamtstädtischen Lösung kommt, damit nicht jede Kirche durch diesen Prozess gehen muss.»

Ein Erlebnis habe Andreas Steiner sehr geprägt. Eine Einwohnerin wollte den Antrag nicht unterschrieben, weil sie sich mit ihrem Glauben nicht gegen die Kirche stellen wollte. Als Andreas Steiner fragte, ob sie denn die Glocken vermissen und sich einsetzen würde, dass sie wieder läuten, meinte sie «Nein».
«Eventuell sollte man die Glocken einfach einmal einen Monat in der Nacht abschalten und sehen, wie viele Leute sich deswegen beschweren.»

Aus: Stadi-online.ch

Wir berichteten über Winterthur auch schon hier:

 
 
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