IG Stiller - www.nachtruhe.info
"...Viele Kirchgemeinden müssen das musikalische Erlebnis verbessern.
Wenn die Kirchen so läuten, dass die Bewohner die Fenster schliessen, sind die Glocken zu laut, und ihr Klang ist unangenehm..."

Glockenexperte Matthias Walter in der Zeitschrift 'Sonntag'.
Glockenexperte Matthias Walter in der Zeitschrift 'Sonntag'.

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Zum Teufel mit den Glocken  
19. Dezember 2005
Quelle: St. Galler Tagblatt (von David Angst)

Weinfelden: Glockengeläute kommt im Januar ein weiteres Mal vor die Kirchgemeindeversammlung
weinfelden. Das Geläute von Kirchenglocken ist Geschmacksache, auch in Weinfelden.
Den einen raubt es den Schlaf, für andere tönt es heimatlich vertraut.

Wo immer eine Kirche steht, gab es wohl schon Zank wegen des Läutens. In der Datenbank der Schweizer Printmedien findet man ohne grosse Mühe 1000 Einträge, wenn man Kirchengeläute, Kirchenglocken oder Ähnliches eingibt. Nun ist das Geläute also auch in Weinfelden wieder ein Thema. Schon zwei Mal, 1991 und 1999, stimmten die Mitglieder der reformierten Kirchgemeinde über die «Läutordnung» ab. Beim letzten Mal ging es um eine Verlegung des Morgengeläuts von 6 auf 7 Uhr. Die Versammlung lehnte ab. Die Glocken läuten immer noch um 6 Uhr.

Nun hat die Vorsteherschaft innert kurzer Zeit zwei Beschwerdeschreiben erhalten. Zwei Familien, die beide an der Kirchgasse wohnen, verlangen, dass die Glocken von 22 bis 6 Uhr ruhen. Am 16. Januar soll die Versammlung darüber abstimmen.

Die Kirchenglocken sind an vielen Orten ein Thema: Balgach SG, Wiesendangen ZH, Trogen AR.
Die Reihe liesse sich beliebig verlängern. Zahlreiche Behörden und Gerichte, inklusive Bundesgericht, befassten sich mit der Frage, ob die Glockenschläge zumutbar seien oder nicht.

Gegensätzliche Entscheide
Die Entscheide sind sehr verschieden. 1995 entschied etwa das Zürcher Verwaltungsgericht, das Frühgeläut von Buchs ZH sei einzustellen. Dasjenige von Wangen-Brüttisellen ZH wurde per Gerichtsentscheid von 6 auf 7 Uhr verschoben. In Bühler AR entschied der Gemeinderat im September, das lange Geläut solle weiterhin vier Mal im Tag stattfinden.

Bundesgericht übers Läuten
Vor fünf Jahren schrieb das Bundesgericht einen sechsseitigen Entscheid, wies darin eine Beschwerde zurück und erlaubte somit, dass das Frühgeläute in Bubikon ZH weiterhin um 6 Uhr stattfinden dürfe. «Kirchenglocken haben für viele Leute Wohlklang, und ihr regelmässiges Ertönen – auch frühmorgens – entspricht weit verbreiteter alter Tradition», schrieb das Bundesgericht in jenem Entscheid. Eine Verschiebung des Frühgeläuts um eine Stunde lehnte das Bundesgericht ab, mit der Begründung, das Frühgeläut könnte seinen Zweck gar nicht erfüllen, wenn ein Teil der Leute schon auf dem Arbeitsweg oder am Arbeitsort seien.

Trotz dieses Urteils geht der Streit zwischen Glockenliebhabern und -gegnern weiter.
Eine IG Stiller engagiert sich gegen das Glockenläuten. Und unter www. kirchenglocken.ch oder www.nachtruhe.info verschaffen die Geplagten ihrem Ärger Luft.

 
 
Realisierung: RightSight.ch