IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Wir denken, dass in der heutigen Zeit Armbanduhren, Wecker und andere Zeitmesser das Ablesen der Uhrzeit ermöglichen und die akustische Zeitangabe nicht mehr den gleichen Stellenwert hat wie früher."
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Meta-Analyse zu den Glockenlärm-Umfragen der IG Stiller

Einführung und Methode

Glockenlärm wurde in der Vergangenheit bei Lärmumfragen nicht berücksichtigt. So z.B. bei der Lärmumfrage des Deutschen Umweltbundesamtes im Jahr 2002 [1]. Die erste Lärmumfrage, welche Glockenlärm nicht vernachlässigte, war die Umfrage der IG Stiller in Trogen im Jahr 2003 [2]. Seither wurden fünf weitere Umfragen publiziert resp. bekannt, welche über die Belastung der schweizerischen Bevölkerung durch Glockenlärm informieren. Diese sechs Umfragen werden im Folgenden analysiert.

Resultate

Das LINK Institut führte im Auftrag der Coop Zeitung 2005 eine Umfrage durch. Die Frage lautete: Stört Sie das Läuten der Kirchenglocken? An der Umfrage beteiligten sich 676 Personen. 10 % der Gefragten wurden durch Kirchenglocken gestört: 7% „nur“ in der Nacht, 1 % „nur“ am Tag und 2 % Tag und Nacht [3].

Dieses Resultat deckt sich mit demjenigen der Umfrage, welche im gleichen Jahr im Auftrag der Gemeindebehörden in Wiesendangen durchgeführt wurde. Danach werden 12 % von 300 über 15 Jahre alten Einwohnern der politischen Gemeinde Wiesendangen vom Glockenlärm gestört [4]. 2005 wurde zudem von den Gemeindebehörden von Beinwil am See eine Umfrage organisiert. Von 143 verteilten Umfragebögen wurden 114 ausgefüllt retourniert. 19 % davon empfinden den Kirchenglockenlärm als wenig störend, 4 % mässig störend, 7 % störend und 10 % massiv störend: Insgesamt also 40 % Gestörte [5].

An den Umfragen der IG Stiller in Trogen 2003, im Quartier Heiligkreuz in St. Gallen 2005 [6] und in der Altstadt von Wil [7] beteiligten sich in Trogen 134 Einwohner, in St. Gallen 82 und in Wil 28.
Werden die Anzahl der Gestörten der drei Umfragen zusammengezählt, ergibt sich folgende Reihenfolge: Strassenverkehr (148), Flugverkehr (88), Hundegebell (78), Nachbarn (74), Kirchenglocken (67), Gewerbe/ Landwirtschaft (42), Schienenverkehr (30), Herdengeläut (14), Nachtschwärmer/ Restaurants/ Festivitäten/ Musik aus Autos (12).
Die wichtigste Kategorie bei diesen Umfragen ist diejenige, der Personen, welche während der Nachtruhezeit stark von Lärm gestört werden. Dabei ergibt sich folgende Reihenfolge:

 

Meta-Analyse: Lärmumfragen in der Schweiz (Mit Glockenlärm)
Anzahl vom Lärm stark Belästigte während der Nachtruhezeit

 
 
Kirchenglocken
45
Strassenverkehr
38
Flugverkehr
19
Hundegebell
12
Nachtschwärmer/ Restaurants/ Festivitäten/ Musik aus Autos
9
Gewerbe/ Landwirtschaft
6
Nachbarn
6
Schienen
6
Herdengeläut
1


Diskussion

Der Unterschied zwischen den 10 % Gestörten der LINK-Umfrage und den 12 % der Umfrage in Wiesendangen ist gering. Frappant ist dagegen der Unterschied dieser beiden Umfragen zu derjenigen von Beinwil am See mit 40 % Gestörten. Dank der hohen Beteiligung ist diese Umfrage relativ aussagekräftig. Der Unterschied lässt sich dadurch erklären, dass in Beinwil am See nur Bewohner gefragt wurden, welche in Bezug auf den Kläger gleich nah oder näher an den beiden Kirchen wohnten.

Nicht berücksichtigt wurden bei diesen Umfragen diejenigen Personen, welche es noch nicht gemerkt haben, dass sie gestört werden (oder es nicht merken wollen). Tatsache ist, dass laute Geräusche eine physiologische Reaktion, d.h. Stress auslösen. Nicht berücksichtigt wurden auch diejenigen, welche sich zwar an Glockenlärm stören, es aber geschafft haben, einen Wohnort zu finden, wo sie nicht von Glockenlärm gestört werden.

Da vor allem durch Lärm gestörte Personen angesprochen wurden, geben diese Umfragen keine Auskunft zur Frage, wie viel Prozent der Einwohner sich an einer Lärmart stören. Sie zeigen aber die Relevanz der einzelnen Lärmarten im Vergleich zu anderen Lärmarten in den untersuchten Gebieten.

Die Kombination der drei Umfragen von Trogen, St. Gallen und Wil macht Sinn, da das Studiendesign sehr ähnlich war. In Wil wurde allerdings nur nach nächtlichen Störungen gefragt. Mit der Kombination werden ein städtisches Zentrumsquartier, ein städtisches Aussenquartier und ein Dorf abgedeckt. Bezüglich der Relevanz des Kirchenglockenlärms gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen den drei Untersuchungsgebieten.
Werden nur die starken nächtlichen Störungen gezählt, steht der Kirchenglockenlärm in allen drei Umfrage auf dem ersten Platz – in Trogen zusammen mit dem Strassenverkehrslärm und in St. Gallen und in Wil allein.

Zur Störung durch Herdengeläut geben nur die Umfragen der IG Stiller Auskunft. In der Stadt ist das Problem natürlich marginal oder nicht vorhanden. Nicht so auf dem Land. Nachdem die Umfrage in Trogen aber im Winter durchgeführt wurde, sind die vorliegenden Resultate vorsichtig zu interpretieren.


Zusammenfassung

Je nach Untersuchungsgebiet und je nach Art der Fragestellung der Umfrage werden mindestens 10 % der schweizerischen Bevölkerung, d.h. über 700'000 Personen zu Hause von Kirchenglockenlärm gestört.
Wenn die Umfrage nur im Umfeld von Kirchen durchgeführt wird, können bis 40 % Gestörte resultieren.

Vergleichende Lärmumfragen der IG Stiller zeigen, dass Kirchenglockenlärm eine der wichtigsten nächtlichen Lärmquellen der Schweiz ist. In ländlichen Gebieten ist auch das Herdengeläut eine wichtige Lärmquelle.
Speziell in der Nacht, wenn für andere Lärmverursacher Nachtruhe gilt, stört Glockenlärm stark.

Trogen, den 05.06.06

[1] Umweltbundesamt 2002: Online-Umfrage zur Lärmbelästigung in Deutschland
[2] Büechi S: Lärm auf dem Lande. Eine Umfrage der IG Stiller in Trogen. IG Stiller Version 2005
[3] Coop Zeitung, Nr. 32: Repräsentative Meinungsumfrage von LINK/676 INT
[4] Demoscope: Glockengeläut ist kein Problem. Bericht für den Gemeinderat von Wiesendangen
[5] Protokoll des Gemeinderates von Beinwil am See der Sitzung vom 25.10.05
[6] Büechi S et Holzer H: Nachtruhe und Lärm.Umfrage im Quartier Heiligkreuz von St. Gallen. IG Stiller 2005
[7] Büechi, S: Nachtuhe in der Altstadt. eine Umfrage der IG Stiller in Wil. 8.2.06

 


Dezember 2005
Nachtruhe in der Altstadt Wil SG: Umfrage der IG Stiller

Einführung

Die IG Stiller hat 2003 in Trogen, einem Dorf im Appenzellerland, und 2005 im Heiligkreuz, einem Aussenquartier der Stadt St. Gallen, Lärmumfragen durchgeführt. Diese werden nun ergänzt durch eine Lärmumfrage in einem städtischen Zentrumsquartier, der Altstadt von Wil.

Methode
Im Dezember 2005 wurden in der Altstadt von Wil durch die Post 500 Umfragebögen zur nächtlichen Lärmbelastung verteilt. (Ohne frankiertes Rückantwort-Couvert)

Die Störungen konnten in vier Kategorien angegeben werden (0=keine, 1=wenig, 2=mässig, 3=stark). Vorgegeben wurden folgende Lärmstörungen: Strassenverkehr, Flugverkehr, Schienenverkehr, Nachbarn, Gewerbe/Landwirtschaft, Kirchenglocken, Hundegebell, Herdengeläut. Bei Bedarf konnten weitere Lärmquellen angegeben werden. Alle bei der IG Stiller in Trogen eingegangenen Umfragebögen wurden ausgewertet.

Resultate
Es liegen 28 aufgefüllte Umfragebögen vor. Zwei der beteiligten Personen wurden nicht durch Lärm gestört. Es wurden zwei Auswertungen vorgenommen. Die Auswertung „Anzahl Gestörte“ und die Auswertung „Anzahl stark Gestörte“. Bei den Nachtruhestörungen der Rubrik Gewerbe/Landwirtschaft handelte es sich oft um Störungen durch Gaststätten sowie laute Passanten. Diese wurden in der neuen Rubrik „Nachtbuben/Restaurants“ zusammengefasst. Zudem wurden aufgrund verschiedener Meldungen die Rubriken „Musik aus Autos“ und „Festivitäten“ eröffnet.

Die Resultate werden in den beiden folgenden Tabellen präsentiert:

Umfrage Wil:
Anzahl vom Lärm Belästigte

Beurteilung
wenig
mässig
stark
Total
Strassenverkehr
11
6
2
19
Flugverkehr
7
4
5
16
Nachbarn
11
2
0
13
Kirchenglocken
4
1
7
12
Nachtbuben / Restaurants
0
2
6
8
Hundegebell
3
2
0
5
Gewerbe / Landwirtschaft
2
0
0
2
Musik aus Autos
0
0
2
2
Festivitäten
0
1
1
2
Schienenverkehr
1
0
0
1
Herdengeläut
0
0
0
0

 

Umfrage Wil:
Anzahl vom Lärm stark Belästigte

Beurteilung
stark
Kirchenglocken
7
Nachtbuben / Restaurants
6
Flugverkehr
5
Strassenverkehr
2
Musik aus Autos
2
Festivitäten
1

  


September 2005: Nachtruhe und Lärm

Eine Umfrage der IG Stiller im Quartier Heiligkreuz von St. Gallen

Zusammenfassung
Nachts stört neben dem Strassenverkehr auch der Kirchenglockenlärm stark. 20 von 82 Personen gaben an, nachts stark durch Kirchenglocken gestört zu werden – beim Strassenverkehr waren es 18 Personen. Je 4 waren es beim Schienenverkehr, Flugverkehr, Hundegebell und weiteren Nachtruhestörungen (Nachbarn, Nachtschwärmer, Club).

Einführung
Strassen-, Schienen- und Flugverkehr sind anerkannte Lärmprobleme. Eine im Jahr 2003 in Trogen durchgeführte Lärmumfrage zeigte, dass auch Glockenlärm ein relevantes Problem ist. Von den 134 Personen, welche sich an der Umfrage in Trogen beteiligt hatten, wurden nachts je 18 durch Strassenverkehr und Kirchenglocken stark gestört. Beim Flugverkehr waren es 10 und beim Hundegebell 8. Weitere starke nächtliche Störungen gingen vom Schienenverkehr, den Nachbarn und dem Herdengeläut aus.

Methode
Für die vorliegende Umfrage wurden im Juni 2005 im Quartier Heiligkreuz von St. Gallen etwa 2000 Umfragebögen verteilt.
Das Quartier hat etwa 7500 Einwohner.

Resultate
Bis Mitte August 2005 nahmen 82 Personen an der Umfrage teil. Zwei Personen gaben keine Lärmstörungen an. Die Beurteilung der anderen 80 Personen wird in folgender Tabelle präsentiert.

1 = wenig
2 = mässig
3 = stark
Tag
 
Nacht
Anzahl
Gestörte
total
Beurteilung
1
2
3
 
1
2
3
 
Strassenverkehr
9
17
22
 
15
15
18
59
Flugverkehr
16
4
6
 
8
10
4
33
Nachbarn
16
8
3
 
13
5
2
32
Hundegebell
13
6
3
 
15
5
4
28
Kirchenglocken
4
5
7
 
2
0
20
24
Schienenverkehr
6
4
2
 
7
2
4
16
Gewerbe/Landwirt
3
2
1
 
1
2
0
8
Herdengeläut
1
0
0
 
1
0
0
1
       

 

Drei Personen gaben zusätzlich folgende nächtlichen Störungen an: Club (stark), betrunkene Menschen (stark), Menschen auf der Gasse (mässig). Wenn nur die starken Störungen nachts berücksichtigt werden, sind Kirchenglocken und Strassenverkehr mit Abstand die grössten Lärmprobleme. Platz drei teilen sich Hundegebell, Flugverkehr, Schienenverkehr und die neue Rubrik Nachbarn u.a. (Nachbarn, Nachtschwärmer, Club).
Diese Auswertung präsentiert sich wie folgt:

Die wichtigsten Nachtruhestörer, nachts, stark Gestörte:

Kirchenglocken: 20
Strassenverkehr: 18
Schienenverkehr: 4
Flugverkehr: 4
Hundegebell: 4
Nachbarn u.a.: 4

Diskussion

Die Untergruppenauswertung der „nachts stark Gestörten“ zeigt,
dass von Kirchenglocken und Strassenverkehr die grössten Nachtruhestörungen ausgehen. Eine ruhige nächtliche Erholungszeit ist sehr wichtig für die Gesundheit. Es gibt keine Wellness ohne Nachtruhe.

Lärm in der Nachtzeit muss unbedingt vermieden werden: Hundehalter müssen z.B. dafür sorgen, dass ihr Hund nicht für Nachbarn hörbar bellt. Tätigkeiten, welche die Nachbarn stören könnten, sind zu unterlassen. Manchmal genügt es auch, wenn der Verursacher dabei die Fenster schliesst.
Beim Strassenverkehr muss auf eine möglichst ruhige Fahrweise geachtet resp. eine solche durch­gesetzt (!) werden.

Die staatlichen Massnahmen zur Lärmbekämpfung sind ungenügend. Zudem betreffen sie praktisch nur den Strassen-, Schienen- und Flugverkehr. Bei einem der grössten nächtlichen Lärmprobleme, dem Glockenlärm, hört der Staat weg und einige kirchliche Institutionen scheinen bei diesem Thema weder Nächstenliebe noch Barmherzigkeit zu kennen. Und dies obwohl das Wort Glocke in der Bibel nicht vorkommt.

Wie kürzlich durch eine repräsentative Umfrage in der Coopzeitung bestätigt wurde, handelt es sich um ein relevantes Lärmproblem:
10 % der Einwohner der Schweiz werden durch Kirchenglockenlärm gestört: 7% „nur“ in der Nacht, 1 % „nur“ am Tag und 2 % Tag und Nacht.
Die Fachstelle Lärmschutz des Kantons Zürich hat kürzlich eine Webseite mit dem Titel "Kirchenglockenlärm - Ungefragter kirchlicher Weckdienst" augeschaltet.

In St. Gallen haben die Kirchen von Rotmonten schon vor Jahrzehnten auf den nächtlichen Zeitschlag und das kultlose Morgenläuten verzichtet. Vor einigen Jahren kam es auch in der Linsenbühlkirche zu diesem Schritt. Andere haben wenigstens auf das kultlose Morgenläuten verzichtet (Laurenzen, St. Mangen) oder kennen kein solches (St. Georgen).
Andere Städte wie München oder Schaffhausen kommen nachts ganz ohne Zeitschlag aus und auch auf dem Land haben Kirchen auf den nächtlichen Zeitschlag verzichtet, so z.B. in Rheineck, Montlingen, Flawil, Degersheim, Arbon, Vals oder Sulgen. Es geht also auch ohne nächtlichen Zeitschlag und ohne kultloses Morgenläuten.

St. Gallen und Trogen, den 11.09.05

 


Lärm auf dem Lande

Eine Umfrage der IG Stiller in Trogen

Einführung

Untersuchungen haben gezeigt, dass etwa 25 % der Einwohner in ihren Wohnungen durch Lärm gestört sind (1). Je grösser eine Gemeinde, desto grösser im Allgemeinen auch die Lärmbelastung (2).

Aber selbst Menschen, welche meinen durch Lärm nicht gestört zu werden, reagieren auf diesen. Nächtlicher Lärm kann so zum Beispiel unbemerkt zu einer Verminderung der Schlafqualität führen und dies wiederum kann zur Folge haben, dass der Betroffene am nächsten Tag schlechter arbeitet und sich schlechter fühlt. Es ist unbestritten, dass Lärm gesundheits­schädigend ist und mittel- und längerfristig zu Erkrankungen des Nervensystem und des Herz-Kreislauf-Systems führt. Dazu kommt, dass Lärm zu Erregung und Aggression führen kann (3).

Lärm ist ein wichtiges Umweltproblem und soll schlimmere Gesundheitsschäden anrichten als Gifte in der Nahrung (4). Lärm verursacht auch immense wirtschaftliche Kosten. Neben direkten Heilkosten als Folge von Gesundheits­beein­trächtigungen entstehen unter anderem Kosten durch Lärmbekämpfungs­massnahmen, Produktionsausfälle sowie die Lärmflucht der betroffenen Bevölkerung (8).

Trotz all dieser negativen Wirkungen und trotz deutlicher gesetzlicher Vorgaben (Umweltschutzgesetz, Lärmschutz­verordnung) wird von den Behörden zu wenig zum Schutze der Lärmgeplagten Bevölkerung getan.

Methode

Die Interessengemeinschaft Stiller liess Anfang Dezember 2002 in alle Haushaltungen von Trogen (knapp 800) einen Erhebungsbogen verteilen.

 

Resultate

Alle bis zum 28. Januar 2003 eingegangen Erhebungsseiten (134) wurden in die Untersuchung aufgenommen. Insgesamt gaben 88 Personen mindestens eine Lärmstörung an. Unter Berücksichtigung der Intensität der Störung [wenig (1), mässig (2), stark (3)] ergaben sich folgende Daten:
 

 

Tag

Nacht

Anzahl Gestörte total

Beurteilung

1

2

3

1

2

3

 

Strassenverkehr

23

21

13

21

12

18

70

Hundegebell

18

6

7

10

20

8

45

Flugverkehr

19

7

4

16

2

10

39

Gewerbe/Landwirtschaft

15

5

4

8

6

6

32

Kirchenglocken

8

2

8

6

5

18

31

Nachbarn

19

2

1

10

9

2

29

Schienen

7

2

1

7

0

2

13

Herdengeläut

4

0

1

6

4

1

13

Im Bezug auf die Stellung des Strassenverkehrs sind diese Resultate in Übereinstimmung mit Resultaten ähnlicher Untersuchungen aus Öster­reich (1), Bayern (5) und Deutschland (2, 6, 7). Am meisten stört der Strassenverkehr, aber auch Hundegebell, Flugverkehr, Gewerbe/Land­wirtschaft, Kirchen­glocken und Nachbarn und waren oft genannte Störquellen. Etwas weniger erwähnt wurden das Herdengeläut und der Schienenverkehr.

Wird der Fokus auf diejenigen gerichtet, welche nachts stark gestört werden ergibt sich folgende Rangordnung:

Starke Störungen in der Nacht gehen vor allem vom Strassenverkehr und den Kirchenglocken aus (je 18). Auf Platz drei folgt der Flugverkehr (10) und auf dem 4. Platz das Hundegebell. Anschliessend folgt Gewer­be/Landwirtschaft, Schienenverkehr, Nachbarn, Herdengeläut.
 

Diskussion

Die Lärm-Empfindlichkeit der Menschen variiert sehr stark. Sehr deutlich zeigt dies die vorliegende Umfrage beim Fluglärm, welcher alle Einwohner Trogens etwa gleich betrifft. Verschiedene Rückmeldungen, lassen vermuten, dass ein Teil der Bevölkerung sich nicht vorstellen kann dass Lärm oder gar Fluglärm in Trogen ein Problem ist. Tatsache ist aber, dass fast 30 % der Personen, welche sich an der Umfrage beteiligten, Flugverkehr als störend empfinden.

Verschiedene Lärmquellen sind praktisch nicht vermeidbar – andere leicht. So kann ein rücksichtsvoller Hunde­halter ohne grossen Aufwand dafür sorgen, dass sein Hund nachts nicht und tagsüber nicht dauernd für Nachbarn hörbar bellt. Fenster könnten bei lärmintensiven Arbeiten geschlossen werden und Motoren bei Nichtgebrauch abgestellt werden. Beim Strassenverkehr könnte auf eine möglichst ruhige Fahrweise geachtet resp. eine solche durchgesetzt (!) werden.

Beim Flugverkehr ist festzustellen, dass diese Immission nicht nur für Bewohner in der Nähe eines grossen Flughafens ein Problem ist. Neben dem Linienflugverkehr werden auch der Privatluftverkehr und Helikopter als störend empfunden. Beängstigend ist speziell auch die kontinuierliche Zunahme des Lärms - speziell beim Strassen- und Flugverkehr.

Eine spezielle Stellung nimmt das Kirchen- und Herdengeläut ein. Dieser Lärm ist leicht vermeidbar. Sowohl bei den Kirchenglocken als auch beim Herdengeläut wurde eine ehemals bescheidene Tradition (Gebetsaufruf, Dämonenbann, Glücksbringer) durch immer mehr und immer grössere Glocken und Schellen und einen immer häufigeren Gebrauch korrumpiert. Beim Herdengeläut hat das für die betroffenen Tiere teilweise zu einer Lärmbelastung geführt, bei welcher die SUVA von einem Arbeiter verlangen würde, dass er einen Gehörschutz trägt. Dasselbe gilt für Kirchgänger auf dem Gang zur läutenden Kirche.
 

Zusammenfassung

Bezüglich der Lärmquellen hat die Umfrage gezeigt, dass der Strassen­verkehr am meisten stört, aber auch Hundegebell, Kirchenglocken, Fluglärm, Gewerbe/Landwirtschaft, und Nachbarn waren oft genannte Störquellen. Weniger häufig aber immer noch von 10 % der an der Umfrage beteiligten Personen genannte Lärmquellen sind das Herdengeläut und der Schienenverkehr.
 

Literatur

1) Lang Judith: Interpretation von Bevölkerungsumfrage zum Lärm. Lärm­minderungs­massnahmen und ihre Auswirkungen auf die empfundene Lärmbelästigung- ein Bericht aus Österrreich. http://www.lfu.baden-wuerttemberg.de/lfu/abt3/tagung_laerm/04.pdf

2) Maschke C, Laussmann D, Eiss D, Wolf U, Robert Koch-Institut Berlin. Thieme Verlag. http://www.thieme.de/gesu/pdf/s158-s162.pdf

3) Prof. Dr. Wolfgang Scholl. Lehrstuhl für Organisations- und Sozialpsychologie der Humolt Universität in Berlin. http://www.psychologie.hu-berlin.de/orgpsy/lehre/grund/folien/vl_theo01/15.pdf

4) WRD-online: Folter für die Ohren, „Tag gegen Lärm“: Experten warnen vor Gesundheitsschäden. http://online.wdr.de/online/gesundheit/tag_gegen_laerm/index.phtml

5.) Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen. Fachinformation Umwelt und Gesundheit. http://www.umweltministerium.bayern.de/service/umwberat/ubblaer.htm

6) Umweltbundesamt: Online-Umfrage zur Lärmbelästigung in Deutschland. http://www.umweltdaten.de/laermumfrage/belaestigung.pdf

7) Institut für Demoskopie Allensbach 2002 Nr.21. Weniger Lärmbelästigung in der Wohnung und am Arbeitsplatz. http://www.ifd-allensbach.de/pdf/prd_0221.pdf

8) BUWAL: Der Mensch zwischen Ruhe und Lärm. http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/de/fachgebiete/fg_laerm/facts/ruhelaerm/

Kurzfassung vom 1. September 2005

IG Stiller, 6300 Zug

IG Stiller, 9043 Trogen

 


Coop Zeitung, Nr. 32
Repräsentative Meinungsumfrage von LINK/676 INT.

LINK Kirchenglocken-Umfrage

LINK, Institut für Markt- und Sozialforschung, hat kürzlich im Auftrag der Coopzeitung (Nr. 32 vom 10. August 2005) eine Umfrage durchgeführt zur Frage "Stört Sie das Läuten der Kirchenglocken, d.h. das Schlagen von der Zeit und das Läuten?".

Es liegen die Antworten von 676 Personen vor.

- 7 Prozent stören die Kirchenglocken "nur" in der Nacht.
- 1 Prozent stören sie "nur" am Tag und
- 2 Prozent werden Tag und Nacht gestört.

Insgesamt werden also 10 % der Einwohner der Schweiz durch Kirchenglocken gestört. Das sind ca. 700'000 Menschen!

Damit werden die Resultate einer Umfrage der IG Stiller aus dem Jahr 2003 (inzwischen hat die IG Stiller weitere Umfragen durchgeführt) bestätigt. Damals gaben 31 resp. 13 von 134 Personen an, von Kirchenglocken resp. Herdengeläut gestört zu werden. Unter Berücksichtigung der repräsentativen LINK Studie kann nun also festgestellt werden, dass in der Schweiz rund 700'000 Einwohner von Kirchenglocken gestört werden.

Dazu kommen die Einwohner, welche "nur" durch Herdengeläut gestört werden. Insgesamt wohl eine Million von durch Glocken gestörte Einwohner.

Es kann also niemand mehr daran zweifeln, dass Glocken ein relevantes Lärmproblem sind. Ein Problem, das im Gegensatz zu anderen Lärmproblemen sehr kostengünstig gelöst werden könnte. Wenn zum Beispiel während der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten die Zeit nicht geschlagen und die Tiere von den Glocken befreit würden, wäre hunderttausenden von Menschen geholfen.

Es ist unverständlich, dass diese Minderheit vom Staat nicht besser geschützt wird. Höchst bedenklich für unser Staatswesen ist aber die Tatsache, dass teilweise sogar politische Gemeinden, für den Glockenlärm verantwortlich sind.

 


Gossau ZH - Ergebnisse der Lärmumfrage 2007

47% der Anwohner/Innen der reformierten Kirche in Gossau ZH finden Zeitschlag nachts unnötig oder störend

Hier die Auswertung der aktuellsten Umfrage, die im November 2007 in Gossau ZH im Umkreis von ca. 300 m um die reform. Kirche durchgeführt wurde. Da die politische Gemeinde und reform. Kirchgemeinde kein Interesse an einer Umfrage zeigte, entschlossen sich die betroffenen Anwohner/innen diese in Auftrag zu geben.

Die anonyme Auswertung erfolgte durch das Treuhandbüro Kern in Wangen b. Dübendorf.

Die Resultate der wichtigsten Fragen wie folgt zusammengefasst:

  • Am nächtlichen Glockenschlag stören sich total oft/sehr oft/immer:
    31.1 %

  • Dass meine Gemeinde die ganze Nacht per Glocke die Zeit schlägt, finden unnötig/störend total:
    47.8 %

  • Aus Rücksicht auf betroffene Mitmenschen, insbesondere auch auf Kinder, ältere Menschen, Kranke, könnte ich auf den Zeitschlag zwischen 19.00 und 07.00 verzichten: eigentlich schon/ja:
    47.7 %

  • Wir fordern die sofortige Einhaltung der erweiterten Nachtruhe:
    31.8%

Das Ergebnis zeigt klar, dass man nicht mehr von einzelnen Personen sprechen kann, die sich durch den nächtlichen Zeitschlag gestört fühlen. Der Fall Gossau ZH muss neu beurteilt werden. Die sofortige Einhaltung der erweiterten Nachtruhe ist überfällig. Die IG Stiller wird in Kürze das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich über den Ausgang der Umfrage informieren.

Zweck der Umfrage
Die Auftraggeber setzen sich seit Jahren für die Wahrung der Nachtruhe und damit verbunden für mehr
Wohnqualität in Gossau ZH ein. Man möchte wissen, ob sich die Anwohner/innen im Umkreis von ca. 300m
der evang. Kirche durch den nächtlichen Zeitschlag gestört fühlen und ob der Zeitschlag in der Nacht
überhaupt noch gewünscht wird.

Umfragebogen (PDF) der an alle Anwohner/innen (oder deren Vermieter/innen) von Gossau ZH im Umkreis von ca. 300 m der evang. Kirche Gossau ZH geschickt wurde.

Resultate:
Umfrageresultate Glockenlärm-Umfrage in Gossau ZH 2007 (PDF)

Kommentare zu der Glockenlärm-Umfrage in Gossau ZH 2007 (PDF)

Brief an Gemeinderat Gossau mit detaillierten Umfrage-Resultaten und Forderung zur Behebung des Glockenlärmproblems (PDFi)

 


Neue Umfrage im 20minuten.ch

Empfinden Sie Kirchengeläut als störend?

Resultat der Umfrage: Stört Sie der Glockenlärm?

 


Tag gegen Lärm 2008

Umfrage der 20MinutenUmfrage-Resultate der 20 Minuten Lärm-Umfrage auf 20min.ch

Weitaus am meisten nerven die Kirchenglocken mit 712 Punkten, noch vor  Baulärm mit 551 und Hundegebell mit 503 Punkten. (Stand: 18. April 2008, 14.00)

Gesamtes Ergebnis:

1.) Kirchenglocken
2.) Baulärm
3.) Hundegebell
4.) Handy-Klingeltöne
5.) Autolärm
6.) Fluglärm
7.) Kindergeschrei
8.) Musikhörende Mitpassagiere
9.) Zuglärm
10.) Quietschen des Trams
11.) Lärm der Nachbarn
12.) Menschenmenge

Peter Kälin, Präsident der Aerzte für Umweltschutz, berichtete am 17. April im 20Minuten, dass ein Dauerschallpegel von über 60 Dezibel im Körper Hormonveränderungen auslösen kann.

Dieser Wert ist allerdings entschieden zu hoch, so Dr.med. Adrian P. Müller aus Horgen:

…Die Annahme des BUWAL, dass 60 dB die gesundheitsschädliche Grenze für Kirchenglocken sei, ist wahrscheinlich deutlich zu hoch und einfach für die Ämter bequem.

Normalerweise sind schärfere Töne mit schnellen Belastungsspitzen (Glocken sind ein Paradebeispiel dafür) schon bei geringerem Schalldruck wegen der Alertreaktionen gefährlich.

So oder so; während der gesetzlich vorgeschriebenen Nachtruhe sind sämtliche Glockenschläge (und andere religiöse Lautäusserungen wie z.B. vom Muezzin) überflüssig und gesundheitsschädlich. Ganz egal ob leiser oder gar noch lauter als der vom Fluglärm abgeleitete Grenzwert von 60 dB!

 
 
Realisierung: RightSight.ch